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Androgynie

Mythos von der ursprünglichen Einheit männlichen und weiblichen Seins in einem Wesen. Danach soll am Anfang der Schöpfung der Mensch Mann und Frau zugleich gewesen und erst später durch eigene Schuld oder Eifersucht der Gottheit zur Strafe in zwei Hälften aufgespalten worden sein. Nur die körperliche Vereinigung kann die verlorengegangene Einheit vorübergehend wiederherstellen, das aber nur, wenn man die passende Hälfte gefunden hat. Don Juan ist der Prototyp des ewig vergeblich Suchenden. In jüngerer Zeit klingt diese Auffassung von der ursprünglichen Ganzheit des vollkommenen Menschen in Wagners philosophischem Ideensystem an.

Der Mythos vom androgynen Wesen kann auch als Versuch einer Lösung des Problems gewertet werden, das der Unterschied zwischen den Geschlechtern darstellt. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, fühlt, dass ein Teil, genauer gesagt, eine ganze Hälfte, der Summe menschlicher Erfahrung ihm für immer verschlossen ist. Dieses Gefühl der

Frustration hängt eng mit dem Phänomen der menschlichen Bewusstwerdung zusammen. Sartre sagt in diesem Zusammenhang, das sexuelle Sexcams Begehren entspräche dem fehlenden Sein, dem Bedürfnis, vollkommen zu sein, d. h. männliches und weibliches Erleben kumulativ zu verbinden. Dieses chimärische Bestreben findet den Ansatz einer Erfüllung in der sexuellen Vereinigung, die Körper, Geist und Seele gleichermaßen befriedigt.

mh

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